Entscheidungen und die Geduld

Als jung Erkrankte, gerade 36 Jahre alt, bedeutet die Diagnose für mich Veränderung.
Man muss lernen, das zu akzeptieren und sein Leben zu entschleunigen.
Genau da komme ich persönlich an den Punkt, wo mir noch die Akzeptanz fehlt.


Der Kopf weiß, was das richtig ist, immerhin wird es mir von den Ärzten immer wieder eingeprägt. -Sie müssen langsam machen, Stress ist nicht gut für Parkinsonpatienten, Stress ist nicht gut für Ihren Tremor.-

Und da sind wir wieder an dem Punkt angekommen. Der Kopf weiß das alles, der hat das schon verstanden.
Wer nicht damit einverstanden ist, ist das Herz. Mein Herz ist noch nicht so weit zu akzeptieren, dass die Dinge langsamer gehen müssen, mein Herz ist auch nicht so weit zu akzeptieren, dass ich beruflich nichts mehr machen kann.
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, habe ich im Zeitraum meiner Diagnose so viele Entscheidungen treffen müssen wie schon lange nicht mehr. Alle reden immer davon, ich solle langsam machen, keinen Stress machen, weniger Stress habe ich deswegen trotzdem nicht.

Auf einmal hat man Ergotherapie, Physiotherapie, andauernd muss man zu irgendeinem Arzt.
Ich glaube, ich war in meinem ganzen Leben noch nie so viel beim Arzt wie von dem Tag der Diagnose an. Was sehr seltsam ist, denn mein Tremor ist nun schon lange genug da, vorher war es halt ein essentieller Tremor oder wie die Ärzte sagen, ein guter Tremor.

Und nun stehe ich auf einmal da mit 36 Jahren und soll mich entscheiden für einen beruflichen Neuanfang oder den Schritt in die Erwerbsminderungsrente.
Auch wenn mein Kopf weiß, was richtig wäre, ist mein Herz noch lange nicht so weit.
Ich denke, das ist auch einer der Unterschiede zwischen jung Erkrankten und Menschen, die die Diagnose im Alter bekommen.

Man steht noch mitten Leben und auf einmal wird alles anders. Natürlich versuche ich dabei, entspannt zu bleiben. Das gelingt mir nicht immer, denn die Geduld war eigentlich immer mein Feind, bin schon immer der schnelllebige Typ gewesen.
Und nun ist jeder zweite Satz “Sie müssen Geduld haben!”
Satz eins ist übrigens “Sie müssen sich entscheiden!”
Na ja, nun wird es scheinbar mal Zeit, zu sagen, was ich mit meinem Parkinson machen muss.

Nix….

In diesem Sinne mache ich mich jetzt mal auf die Reise und warte ab, ob Herz oder Kopf die nächste Entscheidung trifft.

Dini