Ein Tag mit Parkinson – Jahr zwei – Monat sieben (Teil 1 /2)

Ein ganz normaler Tag

Aus meinem Kopf bekomme ich ihn nur selten, meinen Parkinson . Irgendwie erinnert er mich immer und immer wieder an seine Existenz.
Letzte Nacht bin ich erst spät ins Bett gekommen, wie so oft. Je später der Abend, desto wacher  werde ich. Tagsüber überfallen mich wahre Müdigkeitsattacken und ich schlafe auch mal ein. Ab 23 Uhr laufe ich zur Höchstform auf. Dann gehe ich in mein Atelier und fange an, Bilder zu malen oder zu zeichnen. Manchmal vergesse ich dabei völlig die Zeit. Ich spüre, dass mein Körper erschöpft ist und kann trotzdem nicht zur Ruhe finden. Nach der Malerei verspüre ich große Lust auf Essen. Viel essen und noch etwas Süßes hinterher naschen. Als wollte ich mich belohnen. Ich bin sicher, dass das mit der Malerei und dem Essen mit dem Parkinson bzw. den Medikamenten zu tun hat. Das kannte ich früher alles nicht.
Nun, der Tag ist noch jung, so etwa zwei Stunden alt. Ich liege im Bett, habe gelesen, bin völlig fertig vom langenTag und spüre ein inneres Brausen und Vibrieren, kann kaum ruhig liegen bleiben und warte lange auf den Schlaf. Der kommt, lässt mich aber auch nach zwei Stunden immer wieder aufwachen. Das wiederholt sich bis zum Morgen. Ach, wie gern würde ich mal wieder durchschlafen und morgens erholt aufwachen. Ich wache so oft auf, weil mir irgendetwas wehtut, die Krämpfe in den Füßen, der Rücken völlig verkrampft oder ein Bein.
Wenn ich mich morgens dehne, fühlt sich sich der ganze Körper völlig lahm an und meine Finger machen, was sie wollen. Sie zucken und krümmen sich, ohne dass ich die Kontrolle darüber habe. So was! Habe ich erst seit einer Woche und ich wundere mich nur. Einerseits faszinierend, andererseits beängstigend. Momentan hört das ja gleich wieder auf, aber wird es vielleicht irgendwann so bleiben?
Nach ein paar Schritten fühlt sich mein Körper wieder einigermaßen bekannt an. Ich stakse die Treppe hinunter (gut, dass mich keiner sieht!) und werfe erst mal meine Medis ein. Eine Tasse Tee, Rechner an und nach Neuigkeit geschaut. Ich arbeite ja nicht mehr und genieße meine blaue Stunde am Morgen sehr. Diese Ruhe! Diese langsame Art in den Tag zu starten ist eindeutig gut für mich. Überhaupt machen mir Stress und Unruhe viel mehr zu schaffen als früher. Mein Antrieb, mit dem Hund einen Spaziergang zu machen, hält sich sehr in Grenzen. Überhaupt weiß ich ja, dass Bewegung für den Parki das non plus ultra wäre, wenn da nur nicht der faule Schweinehund lauern würde… Wenn einem aber auch nach relativ kurzen Strecken alles wehtut und die Muskeln völlig lahm sind, ist die Unlust ja eigentlich auch kein Wunder. Heute geht mein Mann mit der Dogge, freiwillig! Danke!

Kornblume

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