Ein Mann, ein Fahrrad, ein Versprechen

Udine in Sicht

Etwa nach einer Stunde ging Alexandra dann in den Keller, um nachzuschauen, ob der Akku in der Zwischenzeit geladen hatte, aber sie kam sofort zurück. Der ganze Keller stand etwa 2 cm tief unter Wasser. Wenn das Ladegerät nicht auf einer meiner Taschen gestanden hätte, wäre unsere Tour ab diesem Zeitpunkt nur unter erschwerten Bedingungen zu bewältigen gewesen. Wir hatten also wieder einmal viel Glück. Wir sind dann einfach im strömenden Regen losgefahren und es hat den ganzen Tag einfach nicht aufhören wollen. Von der wunderschönen Strecke haben wir nicht viel gesehen, von den Wasserfällen und den endlosen weitläufigen Tälern konnten wir nur was erahnen. Dampf und Wolken bis runter, fast in Kopfhöhe. Die Strecke, die wir an diesem Tag gefahren sind, befindet sich nämlich auf einer alten Gleisstrecke. Man fährt quasi wie auf Schienen an verlassenen Dörfern vorbei, kann den Verfall der Bahnhöfe verfolgen und die idyllische Schönheit der Strecke bewundern. Angesichts des heftigen Regens machte das Ganze aber nur bedingt Spaß. Wenn man nämlich den Kopf nach rechts oder links gedreht hat, ist es einem auf der anderen Seite den Hals heruntergelaufen. Darüber hinaus hatten wir heute mit so einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mitten aus dem Nichts tauchte auf einmal eine kurze, steile nach unten führende Rampe auf dem Weg auf, die nach etwa 10 Metern in eine 90-Grad-Kurve überging.
Echt spaßig mit dem Liegerad. Eigentlich empfahlen Schilder am Rand, man solle absteigen und schieben, aber das geht mit einem Liegerad nun einmal nicht. Nach weiteren 50 Metern hörte der Weg dann einfach vor einer langen Treppe auf. Hier hätte ich alleine nicht weitergekonnt. Daher galt wie immer: Nur gemeinsam kommt man weiter! Wenigstens konnten wir die Räder an diesem Tag einfach laufen lassen. Es ging leicht bergab, so dass wir uns von den anstrengenden Etappen der vorherigen Tage etwas erholen konnten.
Daher sind wir relativ schnell an dem Lokal angekommen, das uns der nette Schaffner aus dem Zug nach Mallnitz empfohlen hatte. Während wir beim Essen waren, hörte es auch auf zu regnen. Angefangen hat es dann natürlich wieder, als es weiterging. Pech … Obwohl es nicht mehr weit bis zum Hotel in Venzone war, sollten wir es nicht so leicht haben. Unser eigentlicher Weg war einfach abgesperrt. Vorher hatte es keinen Hinweis und kein Zeichen gegeben. Auf einmal standen wir vor einer Absperrung. Ein Tunnel war anscheinend noch nicht wieder freigegeben. Daher mussten wir zurück zur Straße und die restlichen Kilometer auf einer Bundesstraße zurücklegen, was nicht besonders schön war. Nach kurzer Zeit konnten wir unser Hotel dann aber auch erreichen und uns trockenlegen. Ein netter Abend, Alexandra ist sehr unterhaltsam und Benno meistens ko. …
Am siebten Tag unserer Tour fuhren wir durch wunderschöne Landschaften. Durch Dörfer, denen man es auf den ersten Blick nicht ansah, dass sie überhaupt noch bewohnt sind und über reißende Flüsse und riesige Brückenbauten. Benno überlegte sich immer, wie man so etwas überhaupt bauen kann. Landschaftlich richtig schön und beeindruckend. Unser erstes Tageshighlight hatten wir in einer kleinen Bar, in der wir Frühschoppen machten, um die Strecke und den weiteren Tagesablauf zu planen. Ein Ehepaar aus Deutschland sprach uns an. Die beiden waren nämlich nach Sizilien geflogen und jetzt auf dem Weg zum Nordkap – mit dem Rad! Und hier mitten im italienischen Hinterland trafen wir jetzt auf die Zwei. Es sind diese kleinen Begegnungen, die uns auf dem Weg nun schon öfters passierten und die machten diese Reise insgesamt so spannend und wertvoll. Ich wünsche Birgit und Andreas alles Gute auf ihrem Weg und danke für die Zeit mit Euch. Nach dieser Begegnung schwangen wir uns wieder aufs Rad und fuhren weiter durch weitläufige Wälder bergauf und bergab – immer unser Tagesziel Udine vor Augen.

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Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.