Ein Mann, ein Fahrrad, ein Versprechen

Aber auch das ließ sich irgendwie regeln!

Ich wollte zwar immer mit 45 Jahren aufhören zu arbeiten, aber doch nicht so! Also setzte ich mich an meinen PC und begann zu recherchieren, was ich gegen die Symptome der Parkinsonkrankheit noch alles machen kann und ich probierte fast jede noch so abstruse Therapie. Meditation, Vitamin-Kuren, Hormone, Ernährungsumstellung, Spritzen-Kuren mit verschiedenen Schlangen- und Froschgiften, Zitronen-/ Orangensaft-Kur usw. Erschwerend kam hinzu, dass die Krankheit bei mir sehr schnell und aggressiv voranschritt. Erst brauchte ich nur einen Gehstock, dann jedoch bald einen Rollator bzw. Walkingstöcke und schließlich einen Rollstuhl für Strecken von mehr als fünfzig Metern.


Meine Frau hatte begonnen wieder in Vollzeit zu arbeiten und ich versuchte, soweit es mir möglich war, mich um unsere Tochter zu kümmern. Durch die Medikamente hatte ich dann jedoch so massive Wassereinlagerungen (Ödeme) im Bauch und in den Beinen, dass dies nur bedingt möglich war. Als ich dann bei 2500 mg Dopamin täglich angekommen war, musste ich mindestens alle drei Stunden 200 mg (auch nachts), plus tagsüber zwei bis fünf Tabletten nehmen, je nachdem wie ich mich bewegen konnte. Aber es half einfach nichts mehr. Es musste also was geschehen. Aufgeben war keine Option. Ich hatte Verantwortung meiner Frau, meiner Tochter und nicht zuletzt mir selbst gegenüber. Ich wollte meinen Körper noch nicht der Krankheit überlassen. Nicht in dem Alter und nicht in dem Zustand. Mir fehlte im Moment noch nicht allzu viel und ich hatte wenig, wenn auch massive Schmerzen.

Der Antrieb überhaupt etwas zu beginnen und die Kraft fehlte. Man ist ein Gefangener im eigenen Körper, antriebs- und lustlos.

Doch ich hatte noch so manchen unverwirklichten Traum und andere Ziele, die es noch umzusetzen galt. Es gibt viele, die diese Krankheit als Freund bezeichnen, mit dem man durch dick und dünn geht bzw. gehen muss. Ich kann das nicht nachvollziehen. Eher wie ein Stiefvater, den man als Erwachsener bekommt. Man kann nichts dafür, kann es nicht ändern und ist trotzdem mit ihm verwandt. Eine Freundschaft kann man schließlich kündigen …

Durch Recherchen im Internet und durch die Empfehlung meines behandelnden Professors, entschied ich mich, zusammen mit meiner Frau, für die Implantation zur „Tiefen Hirnstimulation (THS)“. Ich habe lange im Vorfeld sämtliche mir zur Verfügung stehenden Quellen genutzt. Manche Fachbücher musste meine Frau mir erst übersetzen, sie ist schließlich Pharmazeutisch- Technische Assistentin (PTA) und kann relativ gut Latein. Wenn ich was nicht verstehen konnte, nutzte ich den Übersetzer im Internet. Ich konnte mich kaum bewegen, aber ich konnte lesen und das mit dem PC bekam ich auch immer besser in den Griff. Ich richtete mir meinen „Arbeitsplatz“ in der Küche ein. Treppen steigen war und ist immer noch ein Problem. Somit konnte ich, wann immer ich mich in der Lage fühlte, meiner Recherche nachgehen und trotzdem für meine Tochter da sein. Da die OP erst im zweiten Anlauf klappte, nachzulesen in meiner Facebook-Chronik, und ich mittlerweile mit den Vertretern der großen Hersteller Kontakt hatte, fiel meine Entscheidung auf Boston Scientific. Durch meine technische Vorbildung und mein mittlerweile relativ gutes Wissen über „meinen Parkinson“ wusste ich, dass diese für mich am ehesten geeignet war.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man seinen Arzt kontrollieren soll und auch muss. Es tut ja sonst keiner.

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Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.