Ein Mann, ein Fahrrad, ein Versprechen

Ziel erreicht!

Meine Nervosität steigerte sich immer mehr und ich wurde immer ruhiger, zumindest nach Ansicht von Alexandra. Professor Antonini führte uns durch die Altstadt, mittlerweile war die Gruppe ja wieder auf sieben Radler angewachsen, bis zur Kirche des hl. Antonius. Aber da war immer noch nicht Endstation. Wir mussten wieder warten, weil irgendwas nicht fertig war. Und endlich durften wir auf den Platz della Valle einfahren. Dann die Einfahrt in das große Oval. Ich hatte es geschafft, ich hatte es wirklich geschafft. Ich als einfacher, unheilbar kranker Mann konnte so viele Menschen mobilisieren, so vielen Hoffnung geben. Es war überwältigend. So viele Menschen. Händedruck hier, Schulterklopfen da und dann konnte ich endlich mal aufstehen um einen Überblick zu bekommen. Es waren fast alle wichtigen Personen anwesend, die sich von Anfang an für mich eingesetzt hatten. Unter anderem Thomas Veit von Boston Scientific, den eine Kfz-Panne in der Nähe festhielt und der trotz Urlaub mit seiner kompletten Familie zur Begrüßung gekommen war. Es waren einige dabei, die wir bereits aus Udine, Portogruaro bzw. aus Mestre kannten – unter anderem Toni Mara. Nun wussten wir, was er so Wichtiges vorzubereiten hatte. Und dann auch noch eine ganz wichtige Person, eingefädelt durch meine Begleiterin Alexandra, die ohne mein Wissen extra mit dem Zug nach Padua gekommen war. Ohne die diese Aktion ja schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.

Sie war es, die mich immer unterstützt hat. Egal, wie verrückt meine Ideen auch waren, sie hat mir immer den Rücken freigehalten und es macht mich stolz, dass sie meinen Namen trägt, die Frau meines Lebens:
„Meine Frau Christiane Seidl!“
Die Messe nach der Besichtigung des Sarkophags, die extra für mich zum Teil in Deutsch gehalten wurde, habe ich nur noch „schwebend“ wahrgenommen. Auch die Eintragung in das goldene Buch in der Kirche des hl. Antonius konnte ich nur noch „mechanisch“ abhandeln.
Ich konnte erst nachdem wir unser Zimmer im Hotel bezogen hatten und uns frisch machen konnten, wieder klar denken.
Und somit konnte ich erst am Abend das Essen, zu dem wir eingeladen wurden, genießen.
Am nächsten Tag hatte ich dann noch eine Pause eingeplant. Wir genossen das schöne italienische Flair und machten auf „ Dolce Vita“. Dabei hatten wir noch ein schönes Erlebnis. Wir saßen wie üblich beim Frühschoppen, gegenüber der Kirche St. Antonio. So nach einer Stunde, als wir gehen wollten, ging ich zur Bedienung um zu bezahlen. Die winkte jedoch ab, es sei schon bezahlt. Dies hätte eine ältere blonde Dame bereits übernommen. Danke an dieser Stelle dafür, es hat mich wirklich sehr gefreut.
Die Rückfahrt mit der Bahn war dann kein Problem. Wir hatten ja schon Übung mit Rädern und Treppen. Wozu Platzkarten? Frühschoppen im Speisewagen!
Wir wurden zu Hause von unseren Familien, Mitgliedern der Selbsthilfe-Gruppe und vielen anderen, wie Sieger empfangen.
Es ist schön zu Reisen, aber es ist noch schöner, nach Hause zu kommen und zu spüren, dass man vermisst wurde.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Bewegung Verschlagwortet mit

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.