Ein Mann, ein Fahrrad, ein Versprechen

Am Limit

Unser Start in Portogruaro ging schon mal spannend los. Entgegen der Beschreibung in unserem Hotel gab es an der Information keine Radwegekarte. Und so gingen wir in der Früh erst mal auf die Suche nach einer entsprechenden Karte. Zum einen, weil es zwischen Portogruaro und Mestre, dass ja unser nächstes Ziel war, nur die Autobahn oder eben die Schnellstraße gibt. Und auf beiden Strecken dürfen keine Radfahrer fahren. Und ausgewiesene Radwege gibt es leider auch nicht, zumindest keine ersichtlichen.


Also entschlossen wir uns nach dem Studium der Karte dazu, den Weg runter an die Küste zu nehmen und dann quer rüber nach Mestre zu fahren. Außerdem standen wir ein bisschen unter Zeitdruck, weil die Damen und Herren der Selbsthilfegruppe aus Mestre um 17 Uhr auf uns warteten und wir knapp 70 km Strecke vor uns hatten. Leicht war die Strecke nicht. Anfangs ging es an einem kleinen Fluss entlang und wir konnten von Zeit zu Zeit sogar auf einem Radweg fahren. Den größten Teil der Strecke mussten wir aber zwischen Lastwagen und schnell fahrenden Autos unseren Weg suchen, das war kein Spaß. Und wie jeden Tag haben wir nach 20 km Fahrt eine Pause eingelegt: Zum Kraft tanken und auch, um die weitere Fahrt zu besprechen. An diesem Tag legten wir aber keinen großen Wert auf eine schöne Strecke, sondern darauf, viele Kilometer zu fahren, damit wir um 17 Uhr Mestre erreichten und die Parkinson-Erkrankten nicht so lange auf mich warten müssten. Aber nach knapp 60 km war Schluss. Wir saßen in einem kleinen Dorf fest und ich musste leider feststellen, dass meine Kraft nicht mehr ausreichte, um pünktlich anzukommen. Nach einigen Diskussionen einigten wir uns darauf, mit einem Taxi nach Mestre zu fahren. Der Taxifahrer holte uns gegen 16 Uhr ab und fuhr uns nach Mestre. Und das war gut so. Wir hätten es vielleicht noch geschafft, aber ich wäre dann fix und fertig angekommen. Davon hätte niemand etwas gehabt. Die Menschen, die auf mich warteten, wollte ich nicht enttäuschen! Und es war richtig, ich wurde mit Applaus empfangen. Es waren auch bekannte Gesichter, wie Francesco von der EPDA oder Silvia und Giovanna von Parkinson Italia dabei. Die Gesichter kannten wir schon aus Udine. Mir wurden viele Fragen gestellt. Nach einer Stunde wollten uns Tony Marra, Daniela und meine Übersetzerin zum Hotel begleiten. Es stellte sich heraus, dass wir das gebuchte B&B Hotel leider nicht beziehen konnten, weil keiner dort erreichbar war.


Daniela konnte uns dann aber innerhalb von 5 Minuten eine neue Unterkunft organisieren. Ein ganz großes DANKESCHÖN an dieser Stelle an Daniela. Wir sind dann abends noch ein bisschen „Bummeln“ gegangen, um uns von der Altstadt von Mestre und von der Geschichte gefangen nehmen zu lassen. Und wir freuten uns auf den nächsten Tag, weil Toni Marra, ein Arzt und Parkinson-Patient mit THS, zugesagt hatte, uns aus Mestre und auf die Strecke nach Padua zu bringen.

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Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.