Ein etwas anderes Urlaubserlebnis

Es steht fest, ich mach`s.

Wenn ich es nicht mache, würde der Gutschein verfallen. Mein Mann hat ihn bekommen, kann aber zurzeit nicht fliegen. Wir dachten zwischendurch es geht doch, aber im Endeffekt blieb nur die Wahl verfallen lassen oder ich fliege.

Also mach ich das Paragliding.

Ein Anruf beim Veranstalter ob es mit Parkinson möglich sei und sein Ja, nachdem ich bestätigte, dass ich einige Schritte schnell laufen kann, bestätigte meinen Entschluss. 

Ich hatte gar keine Zweifel, das war schon komisch. Ich, die ich in den Bergen beim Serpentinenfahren fast in die Hose machte, wollte Paragliding machen, nicht zu fassen aber wahr.

An dem besagten Tag nun fuhren wir zum Wallberg am Tegernsee, wo wir uns mit meinem Flugbegleiter treffen wollten. Ein wenig mulmig war mir ja doch, als ich die ganzen Paragliding Schirme in der Luft sah, aber ich ließ mir nichts anmerken.

Also zum Parkplatz hin, Auto abgestellt, du über die Straße zur Bank meines Flugbegleiters. Der machte große Augen, denn ausgerechnet in dem Moment hinkte ich natürlich wieder. Er machte den Mund auf, aber ich kam ihm zuvor und sagte „Keine Angst, rennen kann ich aber“ und lief auf der Wiese los.

Er sagte, er wäre schon erschrocken, denn ein paar Schritte müsste ich schon machen. Es wäre wichtig, weil wir dabei den Wind unter den Schirm lassen würden, der uns dann mit seiner Thermik tragen würde.

Er hatte zwei große Rucksäcke, von denen ich einen anzog. Jesses, war der schwer. (13 Kilo erfuhr ich im Nachhinein, es war der Notschirm).

Ich stolperte mehr, als ich ging und auf die Nachfrage ob es noch geht, antwortete ich immer mit „Ja klar“, denn daran sollte es nicht scheitern.

Wir liefen (bzw. stolperten) zur Gondel, die uns von 1200m auf knapp 1800 m brachte. In dieser Zeit erfuhr ich, dass mein Flugbegleiter gedacht hat, dass ich zittere wie „alle Parkinsonerkrankten“ und auch, wie wichtig das schnelle anrennen sei. Ich sagte nochmals, er brauche sich keinen Gedanken zu machen und er erzählte von einem Helfer, der einem Fluggast, der nicht gehen konnte, helfen wollte, und dabei stürzte und den Hang hinunterrollte. Er wäre heute querschnittsgelähmt. Ich beruhigte ihn, ich würde laufen, was die Beine hergeben.

Danach sagte ich ihm noch, dass mir beim Serpentinenfahren manchmal schlecht wird und er gleich „ Oje, dann nehmen Sie bitte die Kotztüte, wir haben eine dabei“. Ich fragte dann noch einige technische Sachen und dann waren wir auch schon oben angekommen.

Nun galt es, noch ein Stück zu laufen. Das Gewicht des Rücksacks zog so, dass ich prompt bei dem ersten Gefälle, das kam, auf dem Hosenboden bzw. Rucksack landete. Ab da ging der Flugbegleiter hinter mir und hielt den Rucksack hoch.

Der Wind blies ziemlich stark hier oben und ich musste mich wirklich anstrengen stehenzubleiben.

Ich schaute vorsichtig den Hang hinunter, beobachtete die anderen Startenden und es wurde mir schon ziemlich schwummrig. Ich musste mich am Abhang ganz nach vorne stellen, mein Flugbegleiter stellte sich hinter mich, hakte mich ein und gab das Kommando „Los!“.

Wir liefen los, kamen aber nicht weit, da der Wind sich ganz schnell unter dem Schirm fing und wir auf einmal schon in der Luft waren. Das war ein Gefühl! Es gefiel mir von Anfang an – es war einfach herrlich, soweit oben in der Luft zu schweben. Ich fühlte mich sehr sicher, saß ich doch wie in einem Stuhl vor meinem Flugbegleiter, der mir erzählte, dass wir guten Wind hätten, zeitweise mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h fliegen würden und wir Chancen hätten, lange oben zu bleiben.

Ihm fiele ein Stein vom Herz, als ich ihm sagte, dass mir die Höhe nichts ausmachte und ich die Tüte wohl nicht brauchen werde.

Wir waren dann auch die sage und schreibe 27 Minuten in der Luft. Es ging immer höher, alles sah so klein aus und in der Luft nichts als der Wind und wir. Es war sogar Zeit zum Fotografieren…

Bei der Landung machte ich zwar genau das Gegenteil von dem, was mein Flugbegleiter sagte, aber wie kamen dennoch gut unten an.

Das war wirklich ein Erlebnis der besonderen Art. Ich würde es jederzeit wiederholen, trotz des Muskelkaters, den ich am nächsten Tag hatte.

Was das Beste war, meinen Parkinson hatte ich kaum bemerkt…

Gisi