Ein Engel

Vom Aufenthalt in einer Neurologischen Klinik

Ich erwachte und meine rechte Hand schmerzte. Es war noch dunkel draußen, im Gang hörte ich Stimmen und schaute auf mein Handy – es war 5.10 Morgens. Viel zu früh, ich drehte mich daher nochmal um und versuchte noch ein wenig die Augen zu schließen und zu schlafen.

Aber das Erlebte der letzten Tage kreiste in meinem Kopf, also machte ich das Licht an und lies die letzten Tage Revue passieren.

Ich hatte viele wertvolle Tipps erhalten für Übungen und Hilfen für den Alltag. Auch hatten mir die letzten Tage hier gelehrt sehr dankbar zu sein, dass es mir nach 11 Jahren Erkrankung und 13 Jahren Symptome immer noch so gut geht. Scheinbar hatte ich vieles unbewusst richtig gemacht.

Ich dachte über den Klinikalltag nach, den ich gerade erlebte, an kompetente Ärzte und

Therapeuten, an die vielen schwerkranken Menschen, an das freundliche Klinikpersonal aber auch an die ein oder andere negative Erfahrung. Kurze, barsche, gehetzte Antworten auf Fragen, die freundlich gestellt wurden, die mir aber vermittelten, dass ich hier nicht hingehörte, weil ich ja viel zu fit sei. Ich lies all das aber nicht an mir ran, dachte aber an eine Mitpatientin, die hierunter sehr litt. Ich bekomme hier live mit, wie anstrengend und fordernd so ein Pflegeberuf ist und habe größten Respekt vor denen, die diesen Beruf ausüben. Aber auch für uns Jungerkrankte ist das Umfeld mit den vielen Schwerkranken nicht immer einfach und hin und wieder brauchen auch wir Zuspruch.

Heute Morgen hatte ich eine wundervolle Begegnung, die mich sehr berührte.

Nicht wie sonst wurde die Tür um 5:15h aufgerissen, jemand schaute herein, knallte die Tür zu und man war wach. Heute war alles anders.

Ein Engel schaute zur Tür rein. Die Tür wurde langsam geöffnet und der Engel trat ein und sagte sanft: “Guten Morgen, Sie sind ja schon wach, wie geht es Ihnen?“

Ich antwortete: „Danke gut“ wohlwissend, dass jetzt eigentlich keine Zeit für große Gespräche war.

Der Engel entgegnetet: „Kann ich etwas Gutes tun?“

Ich entgegnete: „Ja gerne – ein Tee wäre super, vielen lieben Dank“

Ich bekam einen Pfefferminz-Tee und hatte Tränen in den Augen. Danke lieber Engel für diesen berührenden Start in den Morgen!

Stephanie