Ein anderer Weg (Teil 1/3)

Ich hatte schon ab Anfang 20 bis zu meiner Diagnose immer sehr viel um die Ohren.

Erst der Schwiegervater, dann die Schwiegermutter: Pflegefall. Die Schwiegermutter haben wir als schwersten Pflegefall über drei Jahre bis zu ihrem Tod zuhause begleitet. Dies lief parallel zu unseren Kindern, welche damals drei und noch nicht ein Jahr alt waren.

Danach hatten wir, zumindest was Krankheiten betrifft, erst einmal knapp acht Jahre unsere Ruhe, bis meine Frau die Diagnose MS bekam. In den neun Jahren bis zu meiner Parkinson-Diagnose hat sich die Krankheit meiner Frau so weit entwickelt, dass ich den Haushalt weitestgehend alleine meisterte.

Nebenbei hatte ich natürlich auch einen sehr verantwortungsvollen Job als Teamleiter in der IT einer sehr großen Klinik. Als zuständiges Team für die Betreuung von ca. 1.500 Mitarbeitern mit allem was die IT so zu bieten hat, konnte das teilweise schon sehr nervenaufreibend sein.

Damit mir in der verbleibenden Zeit nicht langweilig wurde, war ich über 30 Jahre in einer Freiwilligen Feuerwehr tätig, zuletzt als Kommandant. Dies war zusätzlich ein 25% Job. Wobei mir hier die ca. 60 Einsätze jährlich und die damit als Kommandant verbundene Verantwortung am meisten zu schaffen machte.

Somit ist es dann ja auch nicht verwunderlich, dass irgendwann der Knall kam. Es war weder ein Burnout oder das Herz, welches „Stop“ rief, bei mir klopfte Sir James an die Tür. Bereits drei Jahre vor der Diagnose mit einem dezenten Tremor im rechten Bein. Aber als harten Mann bewegt einen diese Kleinigkeit nicht zum Arzt. Dazu musste ich erst feststellen, dass ich auch in der rechten Hand das Zittern habe. Der Weg führte mich schnell in eine Neurologische Uniklinik, wo mir nach den üblichen neurologischen Untersuchungen, Tremorlabor, MRT und L-Dopa Test die Diagnose Parkinson zum 49. Geburtstag überreicht wurde.

Die ersten drei Jahre nach der Diagnose ging es bei mir stetig bergab. Ich hatte mich zwar sehr schnell der Feuerwehr entledigt, ging aber weiterhin voll arbeiten. Hierbei setzte ich mich unter enormen Druck, dem Arbeitsmarkt möglichst lange erhalten zu bleiben. Diese Tatsache war nicht zuletzt dem geschuldet, dass beide Kinder noch in der Ausbildung waren und meine Frau bereits erwerbsunfähig war. Ich habe es nur drei Jahre lang geschafft, da die medikamenteninduzierten Schlafstörungen und die psychische Belastung erdrückend waren. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass es mir in dieser Zeit stetig schlechter ging. Bei Diagnoseerstellung hatte ich es nur mit einem rechtsseitigen Tremor in der Hand und dem Fuß zu tun, ansonsten fühlte ich mich aber gut. Nun wurden meine Körperempfindungen aber immer schlechter. Das Laufen wurde schlechter und langsamer, aber auch alle anderen Bewegungsabläufe fielen mir immer schwerer. Die Verspannungen in verschiedenen Muskelbereichen nahmen immer mehr zu.

Kotti

Ein anderer Weg (Teil 2/3)

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