Die positiven Effekte von Parkinson (2/2)

Das geht doch bei Vielen völlig vorbei. Wenn die was mitbekommen, dann wird es entweder bezahlt, „weil das Kind eine gute Note geschrieben hat“ oder geschimpft, weil nicht (… „Warte nur bis der Papa heimkommt!“).
Und da beginnt bei mir das echte Glück durch Parkinson. Ich darf es erleben, auf Augenhöhe mit meiner Tochter zu reden und dann für alle Seiten zufriedenstellend zu entscheiden. Auch mal was zu entscheiden, was die Mama vielleicht anders entschieden hätte. Denn ich habe Zeit, ich bin einfach nur da und kann zuhören. Ich darf mit ihr und für sie kochen.

Ich kann lesen, mich weiterbilden, wann immer ich will, ich kann mich vorbereiten auf meine Aktionen rund um Parkinson. Meine Macht ist einfach die Zeit!

Mein Leben hat sich durch diese Krankheit nicht grundlegend geändert. Ich war und bin noch nie der Schnellste gewesen. Auch habe ich immer für die meisten Sachen etwas mehr Zeit benötigt. Nur ich sehe die Dinge nicht nach dem Prinzip „Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?“, sondern ich versuche, zu hinterfragen. An wen und warum hat der „Schenkkellner“ es so rausgegeben?
Beispiel: Wäre es nicht sehr unhöflich, ein Whisky-Glas ganz voll einzuschenken oder es zu verlangen?
Eine ½ Maß Schnaps ist für die meisten ungesund, ein ½ Stamperl Wasser für einen Verdurstenden meistens jedoch ausreichend!

Alleine daran kann man sehen, es kommt weder auf den Inhalt an noch auf das Glas.
Ich habe jetzt die Zeit, mich mit der Krankheit zu beschäftigen, mehr als jeder Neurologe und noch so hoch dotierte Doktor oder Professor. Ich kann an mir testen, was funktioniert und was nicht.
Als ich 2014 meine THS-OP hatte, hat keiner daran geglaubt, außer mir und vielleicht meine Frau, dass ich zwei Jahre später mit meinem Liegedreirad bis nach Italien fahre (siehe Dopamin, das Buch, Band 1).

Ich habe durch diese Aktion so viele liebe und faszinierende Menschen getroffen und kennengelernt, mit denen ich immer noch Kontakt habe, was ohne die Krankheit nie möglich gewesen wäre. Auch hätte es keiner geglaubt, dass ich jetzt immer noch ohne Parki – Medikamente auskomme, immerhin war ich bei einer Tagesdosis von rund 2000 mg L-Dopa.

Seither kämpfe ich hier in Oberbayern für die Bekanntmachung der Parkinson-Krankheit. Vielleicht sind es auch nur meine roten Haare. Denn seit der THS trage ich meine Haare rot gefärbt, einmal um ein Zeichen zu setzen für alle Parkinson-Patienten und mittlerweile als kleines „Markenzeichen“.

Mich und meine Frau hat diese Krankheit wesentlich näher zusammen gebracht, denn wir haben dadurch gelernt, besser aufeinander zu achten und dem anderen auch wirklich zuzuhören. Ich habe durch Parkinson mein Leben wesentlich besser genießen können, konnte dadurch auch meiner Frau das eine oder andere abnehmen und somit auch ihr ein klein wenig das Leben schöner, stressfreier gestalten.

Die Gefühle, die ich dadurch erfahre, dass ich dem ein oder anderen Parkinson-Patienten helfen kann, durch mein Wissen über die Krankheit vor allem aus eigener Erfahrung, sind unbezahlbar. Und sei es nur durch Vermittlung einer Sprechstunde oder ein stundenlanges Telefonat, in dem mir manchmal selbst wildfremde Menschen ihr Herz ausschütten und ich erst ein oder zwei Jahre später ein kleines Dankeschön erhalte. Aber es reicht auch mir manchmal und da kommt das elektronische Medium Handy wieder als Segen, denn wenn ich nicht da bin, gehe ich einfach nicht ran.

Und da sag nochmal jemand, ein Dickkopf hätte in der heutigen Zeit keinen Platz. Schließlich bin ich Stier und ich glaube, ich habe meinen Platz gefunden.

Tony