Die positiven Effekte von Parkinson (1/2)

Ja doch, es gibt auch Positives durch Parkinson. Zwar ist es kaum vorstellbar, dass man im Zusammenhang mit Parkinson Positives berichten kann, aber es gibt sie, diese positiven Gedanken, Gefühle, Wirkungen und Ereignisse, die ich dadurch erleben durfte.

Ich wollte in meinem jugendlichen Leichtsinn, so im Alter von rund 16 Jahren, immer mit 45 Jahren mit dem Arbeiten aufhören. Dieses Ziel konnte ich zwar unfreiwillig, aber dennoch verwirklichen.
Wie, war mir damals noch nicht klar, aber ich dachte mir, dass es außer Arbeit auch noch Anderes geben muss, um glücklich zu werden.

Ich arbeitete immer gerne und lange. Vielleicht war es auch eine Art Flucht, oder um mit meinen Freunden irgendwie mithalten zu können. Die hatten alle gute Stellungen in der Industrie und damit konnte ich mich als einfacher Handwerker finanziell meist nicht messen. Doch meinem Dickkopf ist es zu verdanken, dass ich mein Leben anders und vielleicht etwas interessanter gestaltete.

Meiner Mutter hatte ich es zu verdanken, dass ich über den berühmten Tellerrand hinaus sehen durfte. Sie hatte mich schon als Kind zur Mariapoli geschickt und ich durfte mit der Gruppe Genrosso auftreten.
Ich war in den verschiedensten Workshops vom internationalen Volkstanz, über ZEN-Meditation bis zu Kerbschnitzkurs und anderen Aktivitäten. Jedes Jahr mindestens drei Wochen, seit der Grundschule und auch noch bis weit in die Lehrzeit hinein. Alles mit dem Hintergrund, dass ich einen möglichst freien Geist entwickeln konnte. Das ist meines Erachtens eine Grundvoraussetzung, um es zu verstehen oder zu akzeptieren, was man sich mit dieser Krankheit eingefangen hat.

Was ich damit meine, ist die Freiheit des Geistes, das „Spazieren denken“, mit seinem Geist zu reisen. Auch ich kann mich nicht den Zwängen entziehen, denen wir alle unterliegen, aber es gibt im Leben mehr als materielle Güter. Ziele kommen und gehen, manche werden erreicht, manche überlagert oder direkt verworfen, aber eine offene Einstellung den Mitmenschen gegenüber, die wurde bei mir erst durch meine Arbeit geweckt.

Ich bin gelernter Radio und TV-Techniker, über zehn Jahre in diesem Beruf und durch Zufall wurde ich Verkaufsberater und Abteilungsleiter in einem mittelständischen Unternehmen. In der Boom-Zeit des Handyverkaufs. Dabei entdeckte ich, dass ich viele Dinge durch Vergleiche aus dem „normalen Leben“ einfach erklären konnte. Da bei mir mit 38 Jahren mein Leben diesen entscheidenden Schnitt durch die Diagnose Parkinson gemacht hat, bin ich momentan ganz froh darum.

Ja es klingt komisch, auch für mich ist es ein wenig verrückt, aber ich kann dem Parkinson etwas Positives abgewinnen, wenn ich mich mit anderen vergleiche, mit Freunden, Schulkameraden oder Bekannten. Denn diese laufen alle dem Geld hinterher und wissen nicht, was sie alles versäumen. Alleine das Aufwachsen meiner Tochter zu sehen in der für meine Tochter doch so wichtigen Zeit.

Tony