Die Kraft der langsamen Bewegung

Und wieder einmal stehe ich da und meine Bewegungen sind unendlich langsam. Ich spüre jeden Muskel, der an den Bewegungen beteiligt ist.
Doch ist es nicht mein Parkinson, der mich zu dieser Langsamkeit zwingt.

Jede Bewegung erfolgt in vollem Bewusstsein. Ich fühle mich wie losgelöst von Raum und Zeit, verbunden mit dem ganzen Universum. Meine Beine sind fest verwurzelt mit der Erde, so dass mich in diesem Moment nichts aus dem Gleichgewicht bringen kann. Jedes noch so kleine Zittern, was ich sonst so oft spüre, ist zum Erliegen gekommen.
Meine Arme schieben sich langsam auf Schulterhöhe nach vorne, um sich dann in einen großen Bogen nach beiden Seiten zu bewegen. Von dort schweben sie über meinen Kopf.
Bei jeder Bewegung spüre ich die Kraft, welche mich umgibt, die Kraft, die in mir steckt.
Die Kraft, die es mir möglich macht, meine Krankheit zu zügeln.
Langsam senke ich die Arme vor meinem Gesicht bis auf Bauchnabelhöhe, um dort kurz zu verweilen. Während meine Hände an meinem Körper vorbeiziehen, verspüre ich ein leichtes Kribbeln.
Ist das die universelle Energie, von der man im Fernen Osten spricht? Das Qi?
Alle Gedanken sind verdrängt. Ich konzentriere mich nur darauf Körper, Geist und Qi zu verbinden.
Nun führe ich meine Hände an der Innenseite der Beine nach unten bis zu den Füßen und gehe dabei in die Hocke. Dort vollziehe ich dreimal langsam eine Kreisbewegung – nach vorne und unten – nach hinten und oben, um dann mit den Fingern um die Füße zu kreisen und die Hände an der Rückseite der Beine langsam nach oben zu führen.
Und so zieht sich die „Lift Chi Up & Pour Chi Down Methode“ gute 20 Minuten.
Mir tut es sehr gut, mein tägliches Zhineng Qi Gong. Es ist für mich wie Medizin.
Kotti

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