Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Tage mit meinem Mann sind immer mal so und mal so. Wenn er gute Tage hat, bin ich immer sehr froh und freue mich, dass es ihm so gut geht. Doch leider werden die Tage, an denen es ihm gut geht, immer weniger. Aber dies gibt mir die Kraft, weiter zu machen.

Doch mittlerweile bekomme ich Schlafstörungen, das heißt: Ich arbeite den ganzen Tag , komme nach Hause und sorge für Ordnung. Leider kann mein Mann keine Ordnung mehr halten und dadurch kommt es zu sehr komischen Situationen in der Wohnung. Zu meinem Leidwesen bin ich sehr ordentlich und habe keine Zeit dafür. Da kam die Nachricht, dass ich sogar Anspruch auf eine Haushaltshilfe habe. In der ersten Zeit habe ich mich nicht getraut, diese tolle Putzfee in Anspruch zu nehmen. Doch jetzt nach einem Jahr ging es nicht mehr anders, die Wohnung sieht zwar nicht aus wie ein Saustall, aber ich selber fühle mich nicht wohl bei dieser Unordnung. Aber ich muss sagen, es ist ein komisches Gefühl, wenn fremde Leute in der Wohnung sind und auch noch in unsere privaten Sachen schauen.

Seit kurzer Zeit geht es meinem Mann etwas besser. Ich glaube, er fängt an, die Situation zu akzeptieren und dadurch wird es etwas leichter. Wir haben auch gemerkt, dass alles einfacher wird, wenn wir oft das Gleiche tun und wenn eine feste Struktur uns Sicherheit gibt, klappt es besser.
Er kann sich dann auch wieder Termine merken. Nur, wenn etwas plötzlich passiert, geht nichts mehr. Dann kann er nicht mal mehr durch die Tür gehen. Er bleibt einfach stehen und ich muss ihn mitten durch die Tür schieben. Also, alles ganz langsam machen, was mir allerdings sehr sehr schwer fällt. Ich sitze manche Nacht zu Hause und weiß weder ein noch aus, aber es hilft ja alles nichts. Das Leben geht weiter und ich möchte die Zeit nutzen, die ich mit meinem Mann noch habe.

Meine größte Angst ist, dass er dement wird. Aber auch dies kann ich nicht ändern und muss lernen, damit umzugehen. Wir haben auch vereinbart, dass er nicht in ein Pflegeheim kommt, wenn es so weit ist, sondern er möchte gerne in eine Wohngruppe, wo ich dann auch immer zu ihm kann.
Wenn man dies hier so alles liest, könnte man sich fragen, warum ich so jammere.
NEIN, das ist leider so, aber man muss damit leben und weiß, dass es nicht besser wird, sondern noch schlimmer werden kann.
Und das ist der Punkt, der mir echt Angst macht.

ABER WENN ICH KEINE HOFFUNG MEHR HÄTTE, WÜRDE ICH ZUSAMMENBRECHEN.

P.