Die Freiheit eine “Freundschaft” zu beenden (Teil 1)

Es war im Juni 2017, meine Freundin und ich traten den gebuchten Wellnessurlaub an.

Lange haben wir uns, als begeisterte Wellnessanhänger, darauf gefreut. Im Vorfeld musste ich mit meiner Freundin noch einige Dinge bezüglich meines Parkis abklären und war mir dann sicher, mit ihr kann ich verreisen, sie weiß ja wie es um mich steht.

Merkwürdigerweise bekam ich jedoch schon wenige Tage vor unserer Abreise ein flaues Gefühl in der Magengegend. Sie kümmerte sich um rein gar nichts, das Auto fahren überließ sie völlig mir. Sie meinte nur : “Wir könnten ja mehrfach Pause machen, wenn du nicht mehr kannst!”
Irgendwie ahnte ich da schon etwas und sprach auch mit meinem Partner darüber. Ihr kennt das sicherlich, das Bauchgefühl, was einen nie belügt! Egal, dachte ich, mach einfach das Beste daraus!

Nachdem sie mit Verspätung bei mir eintraf, ging es dann endlich los. Das Hotel haben wir nach dreieinhalb Stunden auch gut gefunden und freuten uns auf das einchecken. Ich musste einen Rollstuhl benutzen und fragte sie, ob sie mich bitte bis zur Rezeption schieben könnte, ich wäre momentan platt! Sie tat es widerwillig und eckte überall an (Fahrstuhltür, Pfeiler etc.), ich hatte es satt und entband sie von dieser Aufgabe. Sie war sichtlich erleichtert und ich unglaublich verwundert über ihren Charakterzug, den ich so nicht kannte. Wir checkten ein und bekamen ein Upgrade auf unser Zimmer, d.h. wir durften wegen des Rollstuhles ein viel teureres Zimmer im Haupthaus beziehen. Wow, dachte ich, mit Balkon und Ausblick ins Tal und auf die Fulda. Das Zimmer wurde von uns bezogen und meine Freundin beanspruchte gleich das vordere Bett für sich, da das hintere ja so eng beim aussteigen wäre. Ihr solltet noch wissen, ich bin einige Jahre älter als meine Freundin und diese Reise habe ich von A-Z arrangiert, sie hatte damit keinerlei Optionen.

Gut, dachte ich, nur keinen Stress, soll sie haben. Ich komme da schon irgendwie aus dem Bett. Ich begab mich auf den Balkon und bewunderte die tolle Aussicht, sie hingegen begann bereits das Zimmer zu bemängeln. Zu alt, zu marode, der Spiegel wäre dreckig und das Bad, nein, da hätte sie Besseres erwartet. Ich ließ sie herumwuseln und schaute nur auf die herrliche Gegend, immerhin war ich platt von der Autofahrt. Sie kam dann zu mir und gönnte mir das einfach nicht. Ich solle doch sofort zur Rezeption und die Mängel dort angeben. Puh, ich hörte gar nicht richtig zu und sagte nur: “Lass uns diesen Aufenthalt hier so gut es geht über die Woche bringen!“
Immerhin ist sie ja berufstätig und mir tat so eine kleine Wellnessauszeit auch gut. Obwohl ich mit meinem Partner mehrmals im Jahr verreise, was sie nicht tat (sie ist Single). Als sie sich etwas beruhigte, zogen wir uns die Bademäntel über und schauten uns den Wellnessbereich an. Uns bot sich ein toller Anblick, mit Farbwechselspiel, mehreren Wasserwirbeln und einer Erlebnissauna.
Ich duschte mich ab und sprang in die Fluten. Sie tat es mir gleich und der erste Tag war damit fast gerettet!

Da wir Halbpension gebucht hatten, begaben wir uns zum Restaurant, um auf der großen Terrasse zu speisen. Das Buffet war sehr abwechslungsreich und vielseitig. Ich hatte mich ja ein wenig erholt, so dass ich nur noch mit meinem Stock unterwegs war, der jetzt jedoch ein Hindernis für mich darstellte. Im rechten Arm der Tremor und links der Stock…wie bekomme ich da Wurst und Käse auf den Teller?? Ich schaffte es irgendwie, obwohl die Käsescheiben extrem aneinander klebten, als plötzlich ein großer Teller neben mir aufblitze und meine Freundin mir sagte: „Leg mir doch auch mal von dem leckerem Käse einige Scheiben auf meinen Teller!“
Was? Ist sie so dumm oder tut sie nur so? Ich war heilfroh, meinen Käse und die Wurst, ohne eine Verwüstung hinterlassen zu haben, auf meinen Teller gelegt zu bekommen! Ich dachte mir, jetzt sagst du es ihr aber. “Sorry, aber mit meiner Zitterhand schaffe ich das nicht!“ Sie sagte etwas beleidigt “Ach so.“ und verschwand auf die Terrasse, um zu speisen. Mir kamen komische Gedanken in den Kopf und das allererste Mal hatte ich das Gefühl, diese Reise war ein Fehler! Da ahnte ich aber nicht, dass es noch schlimmer kommen sollte…viel schlimmer!

Sylvi

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