Die Diagnose Parkinson hat mich am Boden zerstört

2017 im Alter von 62 Jahren bekam ich die Diagnose Parkinson.
Sie hat mich am Boden zerstört.
Warum gerade ich?
Ich war nicht mehr in der Lage, mich zu motivieren.
Mein ganzes Leben habe ich Sport gemacht.
Angefangen mit Artistik, Geräteturnen, Leichtathletik, Florett- Fechten, Judo, Volleyball, Schwimmen und am längsten Reiten.
Nach der Wende hatte ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllt; ein eigenes Pferd.
Belvedere, ein großer Hannoveraner Fuchs, dressurgezogen und ausgebildet, ist heute 29 Jahre alt. Als ich wegen Schmerzen im Knie nicht mehr reiten konnte, habe ich die Ausbildung zum Gespannführer gemacht und mein Pferd angespannt. Es folgten die ersten Fahrten mit einem Sulky und später mit der Kutsche, einem Ungarischen Jagdwagen.

Die Diagnose Parkinson hat mich deprimiert.
Ich lag nur noch auf der Couch.
Danach konnte ich keine 500 Meter mehr Laufen und musste stehen bleiben, weil ich keine Luft bekam.
Erst die Reha in Feldberg hat mich wieder auf die Beine gebracht. Ich wollte das Erreichte nicht wieder verlieren.
Da fiel mir wieder ein, dass ich schon immer mal auf den Jakobsweg gehen wollte.
Wann, wenn nicht jetzt?
Also habe ich das Training dafür in Angriff genommen. Als ich spontan eine Strecke von 17 km zurückgelegt hatte, war ich überglücklich.


Im April 2019 diente mir der Baltisch- Mitteldeutsche Weg von Rostock nach Bad Wilsnack als Test. Ich habe mich zwar öfter verlaufen, hatte Blasen an den Füßen, aber nach acht Tagen bin ich glücklich in Bad Wilsnack angekommen und durfte die Pilgerglocke läuten.

Den Portugiesischen Küstenweg von Porto nach Santiago de Compostela habe ich dann im September 2019 in Angriff genommen. Nach drei Wochen Strapazen konnte ich meine Compostela in den Händen halten. Ich war glücklich, dass ich das geschafft habe.
Bewegung tut mir gut. Danach konnte ich sogar die Dosis meiner Tabletten verringern.
In Zukunft werde ich auch die alltäglichen Probleme lösen können.
Die Diagnose Parkinson macht mir keine Angst mehr.

Mein Motto lautet jetzt:
„Fürchte dich nicht, langsam zu gehen. Fürchte dich nur, stehen zu bleiben.“
Ja, ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag in weiteren Veröffentlichungen von #teamdopamin erscheint.

Nana

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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