Der Glaube an sich… (2/2)

Er wurde erst einmal in eine berufliche Reha geschickt. Dort wurde schnell klar, wie man ihn einschätze. Es wurde versucht ihn mürbe zu machen mit negativen Bildern. Mit Aussagen, wie „Sie werden es nie schaffen; „Sie können nicht auf Leitern steigen, weil Sie sturzgefährdet sind“ und „Sie sollten Angst bekommen“ usw. Es sollte ihm schnell klar gemacht werden, dass es eine Spinnerei sei und er es niemals schaffen würde diesen Beruf jemals auszuüben. Aber er nahm den harten Kampf gegen die Behörden auf. Mit Hilfe seines Vaters schrieb er Einsprüche, Widersprüche und Gegendarstellungen, aber leider vergebens. Auch die Paragraphen waren den Ämtern egal. Sie lehnten auch das Darlehn ab. Als der Vdk auch keine positive Nachricht hatte, hat er beschlossen trotzdem diesen Kampf gegen die Windmühlen aufzunehmen.

Er hatte ein Angebot bekommen eine Ausbildung zum Orgel- und Harmoinumbauer zu machen. Sein Chef und seine Kollegen wussten über seinen Parkinson Bescheid. Sie unterstützten ihn. Sowas gibt es kein zweites Mal: Sein Chef stellte keine Forderungen an die Ämter. Er akzeptierte ihn als Azubi. Der Lehrvertrag wurde unterschrieben und ab dem 01.11.2015 war er mit 46 Jahren ein richtiger Azubi mit einem monatlichen Netto-Einkommen von 432,0O Euro.

Parkinson zeigt auch manchmal seine Zähne. Zwei Mal im Jahr, in einem kompaktem Zeitraum von 6 bis 8 Wochen, wurde die Theorie in einer Berufsschule in Ludwigsburg gelernt. Um nicht alle in Unklarheit zu lassen, wurden zwei Lehrer über seine Erkrankung eingeweiht: Der Schulleiter und sein Klassenlehrer. Als in diesem Jahr die Abschluss Prüfung anstand, begann auch für den Parkinson eine harte Zeit. Es war eigentlich für beide eine Herausforderung.

Die Theorieprüfung lief gut, aber die Praktische! Es sollte ein historisches Instrument nachgebaut werden, ein Portativ. Die Aufregung spiegelt sich im Parkinson wieder. Ich habe Rainer die letzten zwei Prüfungstage begleitet. Und was ich erlebte, war ein unglaublicher Mensch mit Parkinson im Alter von 49 Jahren und einem eisernen Willen diese Prüfung zu schaffen, obwohl der Parkinson alles zeigte, was er konnte. Die Prüfer fragten sich, was los ist. Dann ging der Klassenlehrer einen Weg, den er eigentlich nicht wollte und sagte es den Prüfern. Er habe Morbus Parkinson.
Sie gaben ihm eine Stunde mehr Zeit für die Prüfung. Nach dieser Stunde gab er sein fertig gebautes Instrument ab. Am 27.07.2018 um 16.15 Uhr wurden die Ergebnisse der Prüfung bekannt gegeben. Ich stand vor der Tür und hörte nur die Worte „Sie haben BESTANDEN!“ Der Applaus, der mir aus diesem Raum entgegenkam, lies mir die Tränen in die Augen schießen. Die Prüfer verneigten sich voller Respekt vor ihm..
Er hat allen gezeigt das man auch mit Parkinson seinen Traum erfüllen kann. Aufgeben ist keine Optionen.

Beate