Das ist jetzt mein neues Leben mit einem kranken Ehemann ( Teil 3 )

Es ist wirklich nicht schön, aber man muss im Leben eben immer weiter machen. Ich höre mich jetzt wirklich an, wie eine Frau der das alles zuviel ist. Richtig, ist es auch, aber es ist wirklich sehr schwer, wenn sich das ganze Leben verändert.

Es ist jeden Tag eine Herrausforderung des Lebens, dieses auch zu meistern. Es fängt morgens an und hört erst am späten Abend auf. Das Eheleben ist in meinen Augen nicht mehr vorhanden. Ich habe das Gefühl, dass ich nur noch eine Krankenschwester für Ihn bin. Das ganze Problem ist, er hat auch keine Freude mehr am Leben, sitzt den ganzen Tag – wenn ich nicht da bin – da und kann nichts mit sich anfangen. Ich möchte garnicht wissen, was er den ganzen Tag macht. Ich bin noch Berufstätig in Vollzeit. Und ich muss sagen, dass ich sehr gerne arbeiten gehe. Ich glaube, sonst würde ich die gesamte Situation nicht aushalten können.
Es hört sich sehr schlimm an, aber leider ist es so. Ich liebe meinen Mann sehr, aber ich hadere mit der gesamten Situation. Ich bin mittlerweile schon so weit, dass ich echt überlege, endlich mal alleine in den Urlaub zu fahren. Es ist schlimm, dass man so denkt, aber ich brauche eine Auszeit. Vor vier Jahren hätte ich jedem gesagt ich fahre nie alleine in den Urlaub, aber jetzt werde ich es in Angriff nehmen. Und ich fahre alleine in den Urlaub, und ich hoffe, dass ich mich auch wirklich erholen kann, da ich es echt brauche. Sonst lande ich bald selber im Krankenhaus.

Wir haben einen Sohn, der jetzt 35 Jahre alt ist. Am Anfang der Krankheit ist er sehr rüde mit mir umgegangen, weil er nicht verstanden hat, wie sehr ich leide. Er lebt 300 km von uns entfernt und daher bekam er nur am Wochenende mit, was bei uns Zuhause los ist. Er sagte immer: “Es ist doch nicht so schlimm.”

Jetzt war er im Urlaub bei uns und er ist echt verzweifelt und sagte nur: “Mutti, wie kannst du das nur aushalten?” Und ich sage Ihm immer wieder – es ist nicht einfach – aber ich habe mal gesagt: “Wie in guten, so in schlechten Zeiten.” Er ist mein Ehemann und er wird es auch bleiben. Man muss nur einen Weg finden, wie man jetzt zusammen leben kann und beide gut leben können.

JEDEN TAG MUSS MAN LERNEN, ICH VERSUCHE ES JEDEN TAG AUFS NEUE

Anonym 1

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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