Das Beste ist aber… (Teil II)

Jetzt kam bei mir die Erkenntnis der Bemutterung. Das heißt, ich nahm Ihm alles ab aus angst, dass er etwas falsch machen könnte ( hat er ja früher auch). Ich fing an, mich über diese Krankheit  zu informieren – über das Internet. Sollte man lieber lassen, man findet so viele verschiede Therapien und viele Medikamente und meint,  dass man dies dann auch umsetzten kann ( nee kann man nicht, man ist kein Arzt).

Ich habe sehr viel falsch gemacht und habe mich auch sehr bemitleidet. Mir ging es immer schlechter und schlechter und das schlimmste dabei ist, ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, da ich ja jetzt für alles alleine verantwortlich bin. Das war aber nur ein Gefühl, das ich hatte.

Es wurde mir auch eingeredet: Ich bin in den Augen anderer Leute eine schlechte Ehefrau, da ich meinen Job nicht aufgegeben habe. Aber ich habe auch ein Leben und ich gehe seit meinem 20en Lebensjahr arbeiten und dies sehr gerne. Wie jeder weiß, muss man ja auch arbeiten, um zu leben.

Am Anfang habe ich sehr weit weg gearbeitet und wurde dann auf Grund der Krankheit meines Mannes im gegenseitigen Einverständnis gekündigt. Mein alter Chef war der Meinung, dass ich nicht immer alles leisten kann, wie es sein sollte. Es ist echt traurig, dass man heute nur noch nach Leistung bewertet wird (jeder hat mal schlechte Tage). Ich habe einen neuen Job mit 55 Jahren gefunden, der mir viel Spaß macht (ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass mich noch einer nimmt). Dort habe ich ein normales Leben.

Es ist schön, aber ich hatte wieder ein schlechtes Gewissen (ich bin immer unter Spannung und man hat immer dieses schlechte Gewissen). Es ist genauso wie früher. Als unser Sohn im Kindergarten war, hatte ich auch immer ein schlechtes Gewissen: “Geht es ihm gut , ist er gut versorgt?”

Diese schlechten Gedanken, die immer im Kopf sind. Alles hinterfragt man. Das schlimme ist auch, dass dieses Hinterfragen mittlerweile in jeder Lebenslage kommt. Man wird sehr unsicher. Das habe ich vor Kurzem wieder gemerkt. Ich hatte ein Personalgespräch, bei dem man mir auf Grund der Lage in der Firma (es sind Leute ausgefallen und ich habe diese Abteilung in Vertretung übernommen,  für mehrere Monate) gesagt hat wie klasse ich das mache. Ich konnte es überhaupt nicht glauben. Ich dachte das kann nicht richtig sein. ICH HABE KEIN SELBSTBEWUSSTSEIN.

Ich will ganz offen sein: Es ist nicht die Schuld meines Mannes, es ist mein Problem. Ich kann nicht damit umgehen, dass mein Mann vieles nicht mehr kann. Früher, als ich ihn noch Fragen konnte, war alles besser. Ob es Alltagssorgen sind oder fachlich (Auto) alles muss ich machen. Man lernt es, aber es dauert ein wenig. Mit der Zeit wird es aber besser. Doch leider kommen immer neue Probleme hinzu, aber auch diese werde ich meistern.

DAS BESTE IST ABER, DASS ICH MEINEN MANN LIEBE UND DIES WIRD AUCH SO BLEIBEN, MIT ALLEM WENN UND ABER!

Anonym 1