Chronik eines alternativmedizinischen Experiments 4/12

Logbuch Tag 8, 2. Kliniktag

Gestern kam ich gar nicht mehr zum Schreiben, weil ich -hundemüde um 20.00 während des Tippens – eingeschlafen bin …

Aber der Reihe nach:

um 6.00 aufgestanden, übliche Medikamenteneinnahme und dann mit dem Rad zur Tagesklinik, Blutabnahme und weiter zu einem guten Freund hier in Ried. Eine Stunde Tai Chi Zen (etwas gewöhnungsbedürftig mit Korsett, aber es geht). Im Anschluss Frühstück mit Reisflocken und Honig und Tee.

Nachdem ich erst am Nachmittag zur nächsten Therapie eingeplant war hab ich mit dem Rad Ried erkundet. Eine Schande, es liegt so nahe und ich war schon so oft hier, aber das historische Zentrum kannte ich fast gar nicht …

Mittagessen in der Klinik. Es gab vorzügliches Dhal mit Apfelchutney und Polenta (?), dann ab in den Therapiebereich.

Arztgespräch mit Dr. Schachinger: Mein Puls hat sich etwas beruhigt, ist etwas erdiger geworden, aber immer noch flattrig … Schachingers Kommentar: “… da ist noch viel Entwicklungspotenzial!” Nichtsdestotrotz ich fühl mich sehr entspannt.

Dann haben wir nochmals über die Schwermetallbelastung gesprochen. Das Blutbild wird weitere Auskünfte geben, ob der Verdacht bestätigt wird. Im Falle eines positiven Befunds haben wir über eine mögliche Chelat Therapie  mit DMPS Injektionen gesprochen .

Diese Therapieform ist (in der Schulmedizin) umstritten und ich denke, da braucht es noch genaues Abwägen der Risiken und des möglichen Nutzens.

Ebenfalls gesprochen haben wir über die Parkinson Therapie von Professor Dr. Horst Przuntek  der einen komplementärwissenschaftlichen Weg mit klassischer Ayurveda Behandlung und westlicher (Schul)Medizin beschreitet.

Spannende Gespräche, die zum Nachdenken anregen!

Um 15:00 Uhr dann die nächste Nasiya. Wieder ein “Kopfölbad mit Massage”, Nackenmassage, Inhalation, Kopf in heiße Tücher eingewickelt und dann die Ölinfiltration in die Nase. Die Steigerung von 17 Tropfen am ersten Tag auf 45 Tropfen pro Nasenloch lässt dann die Post abgehen. Ich spucke und schnäuze Unmengen von Schleim und fühle mich nachher “wie vom Rauchfangkehrer (Schornsteinfeger) durchgeblasen”. Dann Ruhephase und noch ein Öleinlauf. Wieder Ruhephase.
Wie schon fast Tradition weckt mich die Reinigungsdame dann knapp nach 18:00 Uhr, noch eine Stunde Rasten im Ruheraum, dann Suppe zum Abendessen und mit dem Rad zurück ins Hotel …

… und beim Versuch, das Logbuch zu schreiben bin ich wieder eingepennt …

Logbuch Tag 9, 3. Kliniktag

So gut ich bisher bei meiner Ayurveda Kur geschlafen habe, heut geht scheinbar so gar nix …

Der Reihe nach…
Nachdem ich die Nacht davor lange und gut geschlafen hatte um 6.00 aufstehen, Madopar einwerfen, ausgiebig duschen und mit dem Rad zu meinem lieben Freund Christoph, der hier in Ried lebt. Frühstücken und dann eine Stunde Tai Chi Zen. Die Bewegungen laufen “schlurfend harmonisch” … besser als gestern. Bei manchen Sequenzen fällt es schwer, das Gleichgewicht zu halten …

Dann eintauchen in “das normale Leben”: mails abrufen, mails beantworten, zwei Kundentelefonate …

Im Anschluss daran eine kleine Radtour durch Ried bis zum Mittagessen. An das ayurvedische Essen lässt sich’s gewöhnen. Die Tagesklinik, nein die Köchin der Tagesklinik kocht hervorragend, und serviert ganz charmant auch noch selbst. Quinoa mit Spinat und Erdäpfeln an Apfelchutney, dazu lauwarmen Linsensalat … davon musste ich gleich eine zweite Portion nachfassen … köstlich … (… … das ist echt eine Alternative zu Rumkugeln, Ritter Sport Nougat und Co …)

Dann kurze Rastpause und ab zur Therapie. Nasiya die Dritte. Mittlerweile kenne ich die Prozedur. Heute erlebe ich’s nochmal intensiver. Nach der Behandlung am Tisch während der Ruhephase wieder eingepennt … mittlerweile hat das Tradition.

Vor dem Abendessen noch in den Aufenthaltsraum, … überhaupt nicht müde; … ein paar JuP Postings, ein paar Mails …

Nach dem Abendessen noch das Arztgespräch. Dr. Schachinger erlebe ich unglaublich zugewandt. Wir sprechen wieder über das Zusammenspiel Darm mit Gehirn. Schachinger sagt, dass er die Kur mit mir ob meiner Vorgeschichte (Mb Crohn) sehr sanft und vorsichtig angegangen ist. Meine Öleinläufe sind daher “nährender Natur” und nicht auf Reinigung fokussiert.

So unangenehm ich Einläufe in Erinnerung habe, diese Öleinläufe sind so schlimm nicht. 100 ml Sesamöl körperwarm injiziert haben nur kleine Nachwehen in Form von leichten Blähungen und einer sanften “Ölspur”. Deshalb liegen vorsorglicherweise Slipeinlagen auf!

Dann mit dem Brompton fest eingemummt ins Hotel zurückgeradelt. Mit meiner Frau und den Kindern telefoniert … ein paar Postings auf der Internet-Plattform verfasst … und dann war da keinerlei Müdigkeit mehr …

Zwischendurch in Etappen mal eine Stunde gedöst, dann wieder aufgewacht, versucht einzuschlafen, dahingedämmert, aufgewacht … und letztendlich der Griff zum Tablet … ein wenig meiner Lieblingsmusik gehört und hier im Forum gepostet …

Ich weiß nicht, habe ich so viel vorgeschlafen, dass ich so gar nicht müde bin? Ist es der ominöse “Tag drei” der Krise? Hält mich das Eintauchen zwischendurch in die “normale Welt” munter? Gaustert mir schon wieder die Arbeit durch den Hinterkopf (glaub ich zwar nicht, weil ich nicht bewusst daran denke, obwohl ich heute eine gute Stunde damit beschäftigt war. Aber dann hatte ich’s abgeschlossen! Denke ich zumindest!!!)?

Außerdem tun mir heute meine gebrochenen Wirbel weh …

… irgendwie nicht mein Tag … stimmt nicht!!! … nicht meine Nacht, heute …

Peter

 

 

 

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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