Probieren geht über studieren (3 / 3)

Ich bin froh, dass ich diese Jahre ohne Levo-Dopa hatte.
Ich habe vor ca. zehn Jahren mit Bachblüten begonnen. Die Behandlung wird stets individuell abgestimmt. In meiner Handtasche befindet sich immer eine kleines Fläschchen Rescue- Bachblüten-Tropfen. Sie ersetzen in Stresssituationen Madopar LT.

In den vergangen Monaten hatte ich Schmerzen, auf einer Skala von eins bis zehn gefühlt bei zehn. Das tolle hochgepriesene Schmerzmittel „IBU600“ half nicht mehr und der Magenschutz, den ich dazu bekam, löste Magenschmerzen und Sodbrennen aus. Meine Muskeln waren teilweise so steif, dass sie weh getan haben. Was tun? Eine gute Seele, die es heutzutage noch selten gibt, erinnerte mich an ein altes Hausmittel, „Kaiser Natron“. Ich war skeptisch, denn ich kannte es nur als Backtriebmittel und Bleiche für Gardinen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Heute wird es auch mit Geschmacksstoffen als Basenpräparat verkauft, um ein Vielfaches teurer als das Haushaltsnatron.

Jetzt kommt der Clou! Nichts ahnend gehe ich in die Drogerieabteilung eines Kaufhauses und da steht Kaiser Natron in Tablettenform zum Einnehmen für weniger als zwei Euro. Ich nehme es am Abend nach Vorschrift alle zwei Tage. Meine Muskelsteifheit am Morgen ist nicht mehr so schlimm und das Sodbrennen ist weg.

Die ältere Generation kennt sich vielleicht nicht mit Computern und moderner Technik aus, doch bei Hausmitteln macht ihnen so schnell keiner was vor.
Was habe ich zu verlieren? Nichts! Denn krank bin ich ja schon.
Wo ein Ende …da auch ein neuer Anfang.
Beate

Die Heilkraft des Schreibens

„Schreiben ist Kommunikation mit dem Unaussprechlichen“ (Max Frisch)

Irgendwie ließ mich dieser Satz nicht mehr los.

Kann ich tatsächlich schreiben, worüber ich nicht reden kann?

Ich begann meinen Körper zu bereisen und versuchte den bedrohenden Gefühlen einen Namen zu geben. Das entpuppte sich schwerer als gedacht, denn nach der Diagnose Morbus Parkinson war ich innerlich verstummt. Der Schock saß tief. Step by step begann ich meine Gedanken und Ängste zu ordnen, das Seelen-Wirr-Warr in Worte zu fassen und neu zusammenzufügen, um Klarheit zu gewinnen. Rückschläge inbegriffen!

Ich fand alle Stadien: vom Schock über Verleugnung, Wut, Trauer und Verbitterung bis hin zur In-Frage-Stellung meiner gesamten Identität. Ein Wechselbad der Gefühle.

Dabei entdeckte ich das Schreiben aus einer anderen Perspektive, und zwar aus dem Blickwinkel Parkinson, meinem ständigen Begleiter. Der Rollentausch und das kreative Schreiben bestätigt mir, dass ich Parkinson nicht völlig ausgeliefert bin, sondern mich davon distanzieren kann, manchmal sogar mit einem Schuss Böswilligkeit oder Humor.

Schreiben wirkt wie eine Droge, reinigt mein Seelenleben und schenkt neue Lebensqualität und Lebendigkeit, trotz veränderter Umstände.
Und schließlich ist es ein besonders beglückendes Gefühl, die Beträge im DOPAMIN-Buch weiterreichen zu dürfen.

Schreiben ist wie eine Wärmflasche für meine Seele.

Canty

Ein Tag des Zweifelns

Schon seit dem Aufstehen merke ich, dass heute nicht mein Tag sein wird. Jede Bewegung, die ich mache, spüre ich. Der Tremor in meinem rechten Fuß ist deutlich stärker als ich dies gewohnt bin. Meine rechte Hand zittert, obwohl ich dies normalerweise sehr gut im Griff habe. Beim Laufen komme ich nur mit kleinen, unsicheren Schritten voran. Meine Muskeln fühlen sich angespannt an.

Ist der von mir gewählte Weg, ohne Medikamente meine Krankheit im Griff zu behalten, der richtige? An Tagen wie heute nagen die Zweifel an mir. Die Versuchung, eine L-Dopa aus dem Medikamentenschrank zu holen, ist groß.

Mein inneres Gefühl aber sagt mir, dass ich diesen Tag auch ohne Medikamente durchstehe, denn die letzten Tage ging es mir ja auch recht gut. Es ist einfach mal wieder nur ein Tag, wie es ihn immer mal wieder gibt. Sir James möchte mir heute wieder zeigen, dass er nicht immer so sanftmütig mit mir umgeht.

Es gibt sicher viele Gründe, warum ich Tage mit derartigen Schwankungen habe. Sei es die Sommerhitze, Stress, schlechter Schlaf, beim Sport übernommen oder vieles mehr. Darum bleibe ich auch heute hart und unterliege nicht der Versuchung, meine Symptome abzumildern.

Mit meinem mentalen Training werde ich es schaffen, diesen Tag zu überstehen und dann auch wieder bessere Tage zu erleben. Verschenken tue ich mir nichts, denn die Medikamente sind ja nur symptomatisch und halten meine Krankheit nicht auf.

Kotti

Probieren geht über studieren (2 / 3)

Der Weg ist das Ziel

Ich mache mir Gedanken darüber, wie ich meine Gesundheit noch fördern könnte, damit es uns weiterhin gut geht. Der Körper ist das Zuhause meines Parkinson, fühlt er sich wohl, fühlen wir uns wohl.
Es gibt so viele Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke, die man aber ohne Rücksprache mit dem behandelten Arzt nicht nehmen sollte, damit die Wirkung der Parkinsonmedikamente nicht beeinflusst wird.

Die Entscheidung, die TCM in meinen Behandlungsplan zu integrieren, fiel mir nicht schwer. Wenn man den Arzt gefunden hat, der diese Art der Medizin und deren richtige Anwendung beherrscht, wird man überrascht sein, wie die dazu gehörenden Untersuchungen ablaufen. Nicht nur in China heißt es, dass ein guter Arzt durch ausführliche Befragung und aufmerksame Beobachtung wichtige Hinweise über den Gesundheitszustand des Patienten erhält.

In der TCM sind zusätzlich Puls- und Zungendiagnostik unverzichtbare Bestandteile der Untersuchung. Wurde eine Diagnose gestellt und die Therapie begonnen, wundert man sich doch etwas über die Art und Auswirkungen. Denn sie wirkt auf den gesamten Organismus.
Die Chinesische Medizin verfolgt seit Jahrtausenden das Ziel, den Menschen in einen Zustand von Harmonie und damit Gesundheit zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Therapiebereiche kombiniert, wie zum Beispiel Diätetik (richtige Ernährung) und Bewegung, Entspannung und Meditation. Diese Maßnahmen richten sich immer auf die Mobilisierung der Selbstheilungskraft des Menschen. Die alte chinesische Heilkunst besteht aus einem umfassenden und komplizierten Medizinsystem das immer den Menschen als Ganzes im Blick hat. Ein Arzt mit diesem Wissen betrachtet nicht nur den kranken Teil des Körpers, sondern bezieht auch andere Körperbereiche, Geist, Seele, emotionale Situation und Umweltfaktoren in die Untersuchung mit ein, um dadurch möglichst viele Informationen über die Erkrankung zu bekommen.

Im Vergleich zu unserer hochtechnisierten westlichen Medizin, auf die wir nicht verzichten sollen, können und wollen, kommt der TCM – Arzt mit einfacheren Mitteln aus. Aus den verschiedenen diagnostischen Methoden Befragen, Hören, Sehen, Tasten und einer gründlichen körperlichen Untersuchung folgt die Diagnose nach der chinesischen Medizin. Bei irgendwelchen Zweifeln sollte vor einer Behandlung aber auch immer das Spektrum der schulmedizinischen Diagnostik ausgenutzt werden. Ich habe festgestellt, dass es nichts schadet, sich über diese Art der Behandlungen zu informieren. Wenn man Glück hat, trifft man einen Menschen, der über seine Erfahrungen berichten kann. Wenn der Entschluss feststeht, sich auf diese Behandlungen einzulassen, sollte man wissen, dass eine Erstverschlimmerung eintreten kann.

Ich hatte mich damals für die Akupunktur und die Kräuterlinge der TCM entschieden und bin froh darüber, denn aufgrund der Tatsache, dass alles so gut “angeschlagen” hatte, konnte ich noch auf Levo-Dopa verzichten. Meine Lebensqualität hatte sich erheblich verbessert.
Die Bewegungstherapie, die ich in meinen Alltag einzubinden versuche, setzt sich zusammen aus Tai Chi, Qigong, Chi Running und Yoga.
Nach ca. vier Jahren ließ die Wirkung der Kräuterlinge nach und wir beschlossen, diese abzusetzen. Wie bei den herkömmlichen Medikamenten ist auch hier nach einer gewissen Zeit eine Umstellung notwendig.

Beate

Diagnose, Medis und Begleittherapien

Ich denke, wir hatten alle einen ähnlichen Einstieg in unsere Krankheit Morbus Parkinson. Verlangsamung, Depressionen, unruhige Beine, Muskelschmerzen, Tremor, Krämpfe und einige Symptome mehr.
Festgestellt wird die Krankheit auf unterschiedliche Weise, z.B. Dopamin Test oder wie bei mir durch den Datscan. Der Datscan ist eine Untersuchung ähnlich wie eine Szintigrafie. Ich bekam eine radioaktive Injektion und nach einer halben Stunde erfolgte das Szintigramm, eine farbliche Darstellung des Gehirns, auf der der Arzt sehen kann, ob und wieviel Dopamin in etwa noch
vorhanden ist.
Als die Diagnose feststand, besprachen wir die Medikation. Meistens, so auch bei mir, gibt es zunächst einen Agonisten (davon gibt es viele) und da muss man ausprobieren, welches Medikament einem am besten bekommt. Bei mir war es gleich das erste, da hatte ich Glück.
Später bekam ich L-Dopa zur besseren Beweglichkeit dazu. Bei mir reichen glücklicherweise die beiden Medis noch in nicht so hoher Dosierung aus, zweieinhalb Jahre nach der Diagnose.
Als Begleittherapie gehe ich zweimal in der Woche ins warme Wasser zum Bewegungsbad, da kann ich mich wunderbar bewegen. Es ist jedes mal eine Wohltat. Ich bin auch viel mit dem Fahrrad unterwegs, weil es mir leichter fällt als das Gehen. Für meine Stimme ist einmal in der Woche singen angesagt, das macht richtig Spaß. Wir singen alles, vom Schlager über Volkslieder und Chansons bis hin zu Rock. Ich habe das Gefühl, es tut meiner Stimme richtig gut und ich atme viel aufmerksamer.
Dann gibt es noch meine Kunsttherapie, durch diese bin ich auch zum Malen, meinem noch ziemlich neuen Hobby, gekommen. Wir experimentieren mit verschiedenen Farben und Materialien, beispielsweise Aquarell, Kreide, Gouache Farben, Tinte und Kohle. Diese Therapie entspannt mich
total und was in meinen Bildern gesehen wird ist, sehr spannend.
Auch eine Psychotherapeutin begleitet mich und hat mir sehr geholfen, diese gemeine Krankheit anzunehmen. Ich habe immer noch Rückfälle und will es nicht wahr haben, dann sind diese Gespräche sehr effektiv und ich bekomme auf diesem Wege auch Hilfe bei meinen Impulskontrollstörungen, die durch die Medikamente ausgelöst werden. Bei mir handelt es sich hauptsächlich um unkontrolliertes Essen.
So bin ich sehr ausgelastet mit meiner Achtsamkeit um meine eigene Person, aber es lohnt sich!
Bika

Vor der THS und nach der OP (Teil 3)

Dann begann die OP, die ich ja, wie bekannt, bei Bewusstsein, miterleben „durfte“. Das Geräusch, als mir die Schädeldecke geöffnet wurde, werde ich nie vergessen. Erst das Surren des Bohrers und dann das laute Knattern des Meißels. Angst hatte ich seltsamerweise keine und Schmerzen habe ich auch keine gespürt. ich hatte jedes Zeitgefühl verloren, erst später wurde mir bewusst, dass ich sieben Stunden im OP war, davon fünf bei Bewusstsein.

In den letzten beiden Stunden wurde mir die Batterie in die Brust eingesetzt. Dies geschah unter Vollnarkose.

An den genauen Ablauf der OP kann ich mich nicht mehr erinnern, nur an einzelne Sequenzen. Besonders die Testung der Elektroden, da diese teilweise sehr unangenehm bis schmerzhaft war. Es war sehr hilfreich, dass meine Neurologin die ganze Zeit anwesend war, mich beobachtet, mit mir geredet und mir Mut zugesprochen hat.

Meine Frau war da, als ich aus dem OP-Raum kam. Ich war ziemlich benebelt, obwohl ich alles, auch ihre Anwesenheit, wahrgenommen habe und auch mit ihr gesprochen habe.

Zehn Tage nach der OP, wurde ich für die Nachsorge -wie abgesprochen- in eine Fachklinik verlegt. Diese konnte ich dann drei Wochen später verlassen.

Heute kann ich sagen, dass die OP sehr gut verlaufen ist und eine -für mich- richtige Entscheidung war. Ich konnte meine Dosis L-Dopa auf aktuell (drei Jahre nach der THS) von 1.500 mg auf 400 mg pro Tag reduzieren und nehme keine Agonisten mehr.

Auch habe ich keine schweren Krämpfe mehr, die allgemeine Beweglichkeit hat sich verbessert und die innere Unruhe hat nachgelassen. Auch die RLS-Symptome sind zurück gegangen.

Für mich begann das Leben neu. Ich bin an Parkinson erkrankt, ok, aber ich habe gelernt damit umzugehen und auch durch die THS gelernt, dass es immer Möglichkeiten gibt, die Lebensqualität zu erhalten. Das Leben im Hier und Jetzt habe ich erlernt und meine Perspektiven, Ansichten und Werte haben sich geändert. Ich jage nicht mehr beruflichen Erfolgen hinterher und muss nicht immer perfekt sein und das auch noch schnell, sondern ich kann das tun was mir wichtig ist, und zwar in meinem Tempo. Wertschätzung und Anerkennung erhalte ich nicht mehr für meine Leistungen, sondern für meine Person.

Auch wenn es Tage gibt, an denen ich mich frage: Warum ich? und ich mich schlecht bewegen kann, Schmerzen habe und ich mal wieder irgendwas kaputtmache, weil es mir aus der Hand fällt, so kann ich dies nun viel besser wegstecken und mich an den guten Tagen erfreuen. Ich kann zwar nicht mehr so viel Sport treiben, habe jedoch anderes neu oder wieder für mich entdeckt.

Diesen Bericht habe ich geschrieben, um allen Betroffenen zu sagen, dass es nicht Die Lösung gibt, sondern, dass ein Jeder seine Lösung suchen und finden muss. Es gibt sie, und so schlimm die Veränderungen auch empfunden werden, sie eröffnen auch andere Wege und Sichtweisen.

LA65

Probieren geht über studieren (Teil 1 / 3)

Ich hatte mit meinem Neurologen damals einen echten Glücksgriff getan, nach dem Motto „Ein blindes Huhn findet auch mal ‘n Korn“.

Es erstaunte mich, als ich erfuhr, dass er ein Arzt mit Kenntnissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist.
Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Buchstaben flossen damals aus der Öffnung unterhalb meiner Nase, die sich zu einem Satz zusammensetzten und mich irgendwie in ein kleines Fettnäpfchen treten ließen: „Das sagen Sie erst jetzt?“.
Homöopathie, wie man es so schön nennt, ist eben keine Kassenleistung.
Pack mal einem nackten Mann in die Hosentasche, nichts drin!
Die Krankenkassen waren 2012/2013 noch nicht so aufgeschlossen. Es war auch eine Ermessenssache des jeweiligen Sachbearbeiters. Es hieß doch, dass die wichtigen Tabletten, die mir Sicherheit und Zuversicht gaben, ihren Zweck erfüllten.

Das Besondere an der fernöstlichen Medizin ist sicher, dass hier Körper, Geist und Seele als untrennbare Einheit betrachtet wird.
Anders als in der westlichen Medizin: Der Körper wird in Einzelteile zerlegt und punktuell behandelt. An die Vorstellung, dass beispielsweise Schwindel mit dem unteren Rücken oder Herzprobleme mit dem Magen zu tun haben können, verschwendet man selten einen Gedanken,
frei nach dem Motto „Wo tut es denn weh?“
Der „Rest“ wird nicht beachtet und damit werden die hintergründigen Ursachen von Beschwerden nicht erkannt.
Wie oft habe ich den Satz “Da können wir nichts mehr tun, damit müssen Sie leben.“ gehört?
Wenn man es aber nicht akzeptiert und etwas tun möchte gegen die Begleiterscheinungen der Parkinsonmedikamente, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt, es zu versuchen und sich auf die Hinterbeine zu stellen.

Beate

Ist es ein Plan, wenn ich keinen Plan habe?

Mein erster Gedanke ist : habe ich einen Plan und wenn für was?
Natürlich mache ich für das eine oder andere im Leben Pläne. Das beginnt schon mit den vielen Arztterminen. Diese muss ich mit der Arbeit gut koordinieren. Und die Arbeit muss ich mit meinen Aktivitäten verbinden. Da gibt es das Tanzen, die  Radtouren, die Treffen mit Freunden. Meinen nächsten Urlaub muss ich auch planen und mit den Kollegen absprechen.

Aber ich merke, ich will mich nicht mehr verplanen. Es einfach mal laufen lassen. Etwas zu machen in dem Moment, wenn es mir in den Sinn kommt und es dann genießen. Das ist gar nicht so leicht!

Ich habe aber gemerkt, dass es für mich wichtig geworden ist.
Der Druck von meiner Selbstständigkeit ist zu ende und bei meiner Arbeit habe ich ein wenig Spielraum bei der Zeiteinteilung, was mir sehr gut gefällt. Ich habe es zu den Proben für unser Theaterstück gemerkt: Ich konnte die Arbeit drumherum gestallten. Dinge, welche mir wichtig sind, stelle ich in meinen Fokus.

Und dann gibt es ja auch noch die Tage, an denen ich mir etwas vornehme und mein Parki gerade einen eigenen *Plan* hat. Wir wissen alle, der fragt nicht was ich will oder möchte. Das haut mich oft aus der Bahn und ich werde wütend über den Einfluss des Parkis. Das macht es meist nicht besser. Und dann kann ich diesen Tag in die Tonne hauen. Auch merke ich, dass ich immer öfter Grenzen aufgezeigt bekomme: Mir fehlt es dann an Kraft und Ausdauer und dann muss ich meinen Ruhepunkt finden. Hierbei werde ich schnell mit mir selbst ungeduldig.
Fazit: Pläne – ja, wenn es um langfristige Dinge wie Urlaub geht.
Ansonsten bin ich sehr flexibel geworden, habe aber auch gelernt, genau dieses zu genießen.
Das einzige was mir wirklich zu schaffen macht, ist dieser PLANLOSE Parki.

Gisela

Brief an R.

Juni 2018

Moin R.,

Jetzt weiß ich, was in den letzten Tagen und Wochen mit mir nicht gestimmt hat.

Bei der Medikamenteneinstellung in der Klinik wurde ein Parkinsonmedikament, Levodopa, zu schnell zu hoch dosiert. Ich bekam nach einer Woche noch während des stationären Aufenthaltes Überbewegungen, Unruhezustände und etwas wie Panikattacken. Das wurde vom Personal mit einem „Entspannen Sie sich mal, wir wissen ja, dass sie ein bisschen empfindlich sind!“ und einem Tranquilizer abgetan. Zack, bist du in der Psycho-Ecke! Auch bei wiederholtem Hinweis auf diese Beschwerden bis kurz vor der Entlassung kam wieder der Spruch wie oben, entspannen und abwarten, Geduld haben, bis die Therapie wirkt…. Also mit „Panikattacken“ und einer Menge Superratschläge im Gepäck in die Freiheit. Mir ging es richtig beschissen und ich konnte mich zu Hause vor diesen bedrohlichen Zuständen kaum noch retten. Die Parkinsonsymptome hatten sich zusätzlich noch akut verschlechtert, ich konnte mich kaum noch bewegen und hatte starke Schmerzen. Außerdem war ich alleine, meine Tochter musste wieder zurück an ihren Wohnort zur Arbeit.

Da meine Neurologin hier vor Ort mit der neuen Medikation einverstanden war, habe ich die Tabletten weiter so genommen bis auf eine kleine Änderung. Unruhe, Angst, Atemnot und „Panikattacken“ steigerten sich immer mehr. Hatte ich jetzt zu der Diagnose Parkinson noch gratis eine Angststörung dazu bekommen? Am vergangenen Wochenende war es so schlimm, dass ich nachts die 112 gerufen habe und in die Klinik gekommen bin. Ich hatte auch starke Überbewegungen und konnte mich kaum noch halten, Hyperventilation (zu schnelles Atmen) und Halluzinationen kamen auch noch dazu.

Die Wände und Fensterbänke in der Notaufnahme, die Atemmasken, die Türklinken und andere Gegenstände schienen sich geräuschlos zu bewegen, das war einfach Horror. Man hat mich mit Tavor, einem starken Beruhigungsmittel, „platt gespritzt“ und am Vormittag entlassen, alles ok angeblich.

Zu Hause ging es aber weiter, die Unruhe und Angst habe ich nicht mehr in den Griff bekommen.
Ich habe am Montag direkt Rücksprache mit der Neurologin gehalten, sie meinte nur, Panikattacken seien zwar unangenehm, aber man könne daran nicht sterben und ich solle Entspannungübungen machen. Hat aber bei der Heftigkeit der Beschwerden nichts mehr gebracht.

Mein Hausarzt empfahl mir Bewegung an frischer Luft und Eis essen gehen, aber ich bin mehrmals am Tag so hochgegangen, dass ich Angst hatte, zu sterben.

Gestern hat die Neurologin, die eher der Meinung war, dass ich vorher zu niedrig eingestellt war, endlich eingesehen, nachdem ich ihr alles noch einmal genau geschildert hatte, dass die Medikamente wohl doch zu hoch dosiert sind.
Das waren die Symptome einer Medikamentenüberdosierung, keine Panikattacken oder sonst etwas.
Ich bin immer noch entsetzt, dass ich so lange „bohren“ musste, bis mal endlich jemand reagiert hat!!!

Jetzt bin ich zu Hause, meine Neurologin und ich basteln gemeinsam eifrig an der kleinschrittigen Reduzierung und Anpassung der Dosis, ich trinke den ganzen Tag viel Wasser, mindestens vier Liter, da der Urin eine Rotfärbung aufwies, auch ein Zeichen für eine Überdosierung, und es geht einigermaßen, aber der Schreck sitzt noch tief….

Wenn ich nicht immer wieder nachgehakt und die Tabletten weiter so genommen hätte….. Nein, das denke ich nicht zu Ende.

Daraus erklärt sich vielleicht mein etwas seltsames Verhalten und meine etwas konfusen Nachrichten auf Facebook 😉

Ich brauche jetzt erstmal viel Ruhe, jede Kleinigkeit und Anstrengung lösen noch diese Unruhe und Übererregung aus. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis das überschüssige Dopa abgebaut ist. Die heftigen Angstzustände kommen seltener und sind mit Tavor, einem Tranquilizer mit Suchtpotenzial, sehr gut in den Griff zu kriegen. Hättest du mir das vor zwei Jahren erzählt, hätte ich dich ausgelacht, aber im Moment habe ich keine Wahl. Solltest du mich seltsam entspannt mit einem Ist-mir-scheißegal-Lächeln antreffen… du weißt, woran es liegt :o)

Danke für deine Freundlichkeit und Geduld, alles Gute für dich! 🙂

Claudia

P.S. Bist du gegebenenfalls beim Tavor-Entzug wieder mit dabei? Würde mich sehr freuen!

Vor der THS und nach der OP (Teil 2)

Nachdem ich die diversen Voruntersuchungen und Testungen, ob ich für
die OP der richtige Kandidat bin, hinter mich gebracht habe, begann das Warten auf den OP-Termin. Dies wurden 4 lange Monate für mich. In dieser Zeit habe ich mich zurückgezogen, wollte allein sein.

Ich hatte mir fest vorgenommen, nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, nicht mehr darüber nachzudenken und erst recht nichts mehr zu lesen oder mit anderen, mit Ausnahme meiner Frau, darüber zu reden. Aber der eigene Kopf lässt sich nicht abschalten. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich immer wieder im Netz danach Ausschau hielt, ob es neue Entwicklungen gibt oder weitere Erfahrungsberichte u.s.w.

Dies belastete mich und ich wurde immer unruhiger und stellte meine Entscheidung pro THS immer wieder für mich in Frage. Jedoch bin ich nach Abwägung der Chancen und Risiken bei meiner Entscheidung geblieben.

Am 29.07.2015, kurz nach meinem 50. Geburtstag, wurde die OP durchgeführt. Ich war drei Tage zuvor, zwecks Vorbereitung, stationär aufgenommen worden. Ich hatte meine Familie und meine Freunde gebeten mich nicht zu besuchen, nur meine Frau war anwesend und dafür war ich sehr dankbar.

Der OP-Tag begann früh, auch für das Klinik Personal. Geschlafen habe ich kaum, sie wollten mich um 6 Uhr wecken und fanden mich wach vor. Um 06:45 Uhr war der Arzt anwesend und passte mir die Stahlkonstruktion an, mit der ich später auf dem OP-Stuhl fixiert wurde. Dann wurde ich in den OP-Raum gebracht. Dass ich immer wieder auf die nächsten Schritte warten musste, war schlimm für mich. Ich habe versucht mich gedanklich abzulenken, indem ich schöne Erinnerungen abgerufen habe. Dies funktionierte halbwegs. Im OP wurde mir dann über den linken Arm diverse venösen Zugänge gelegt. Dies tat zwar weh, aber ohne, dass ich sediert worden bin, wäre es nicht gegangen.

LA65