18 Jahre ohne Medikamente

Seit genau 22 Jahren ist er mein Begleiter, man könnte sagen, wir sind zusammen groß geworden. Es gab schon viele nervige Momente, teilweise bis zur Verzweiflung. Nach und nach hat der Tremor sich breit gemacht und meinen Körper mit Beschlag belegt. Aber trotz allem habe ich immer gelebt, ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Und war auch immer positiv, denn mein Tremor ist ein essentieller Tremor, wie die Ärzte immer sagen, ein guter Tremor. Meinen Alltag habe ich dem Tremor angepasst, ich habe gelernt, viele Dinge anders anzugehen, wie beispielsweise das Schreiben, Essen, Kochen…

18 Jahre habe ich es ohne Medikamente geschafft. Danach war es nicht mehr möglich. Die Ärzte verschrieben mir Betablocker. Am Anfang habe ich davon profitiert, aber schon schnell musste ich die Dosis immer weiter erhöhen und die Zeiten zwischen den Medikamenteneinnahmen verkürzen. Dann haben sich viele Dinge geändert, ich hatte Schlafprobleme und auch die linke Hand fing an, in Ruhe zu zittern. Da wusste ich, es stimmt was nicht, mit dem Ergebnis hatte ich nur nicht gerechnet. Der Arzt sagte, ich müsse ein Dat-Scan machen und ehrlich gesagt, bin ich da optimistisch hingegangen, ich kannte ja meine Diagnose, “essentieller Tremor”.

Nach der Untersuchung teilte mir die Ärztin mit, dass ich leider eine beginnende Parkinsonerkrankung habe. – „Nein, essentiellen Tremor, nicht Parkinson!“, war meine erste Reaktion Aber nachdem mir in den nächsten Wochen nach der Diagnose acht Ärzte gesagt hatten, dass es Parkinson ist, habe auch ich verstanden, dass es wohl so sein muss.
Was soll ich sagen? Nun hat das Kind ein zweiten Namen bekommen und ich lebe trotzdem.
Und ja, schlimmer geht immer. In diesem Sinne mache ich jetzt das Beste daraus.

Dini

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